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Klaus Siblewski
Klaus Siblewski

Als ich unlängst in der Zeitung las, dass in Israels Schulen gerade ein Buch verboten worden war, das von der Liebe einer israelischen Jüdin zu einem Palästinenser handelt, musste ich wieder an das Gespräch denken, das ich fast genau ein Jahr davor mit einem nicht mehr jungen Mann am Grab von Mahmud Darwisch in Ramallah geführt hatte.

Ich war von Jerusalem in die Westbank gefahren und, weil sich die Verabredung, die ich dort hatte, um mehrere Stunden verschob und es in Ramallah nicht viel zu tun gab, zuerst zum Grab von Arafat und dann zu dem von Mahmud Darwisch gegangen. Es war nur knapp drei Wochen nach einem Anschlag in einer Synagoge in Jerusalem, bei dem vier Betende und ein Polizist ums Leben gekommen waren, und überall in den Straßen, durch die ich ging, hingen Plakate, auf denen die beiden (erschossenen) Attentäter als Märtyrer verherrlicht wurden. Das Mausoleum von Arafat steht auf dem Gelände seines ehemaligen Amtssitzes, der während der zweiten Intifada von der israelischen Armee lange belagert und schließlich halb zerstört worden war. Als ich dort ankam und auf den lichtdurchfluteten Kubus aus weißem Kalkstein zuging, war kein Mensch zu sehen, außer den zwei Uniformierten im Gardemaß mit Gold-Epauletten und Schärpen in den palästinensischen Nationalfarben um die Brust, die hinter dem Sarkophag standen und mich wiederholt zum Fotografieren aufforderten.